Homepage-Baukasten oder Agentur? Wann Wix & Jimdo reichen — und wann nicht
Diese Frage bekomme ich oft in der ersten Mail: „Warum soll ich Ihnen Geld zahlen, wenn ich bei Wix für 15 Euro im Monat selbst eine Website bauen kann?“ Berechtigte Frage. Und die Antwort ist nicht die, die Sie von jemandem erwarten, der vom Websitebau lebt: Manchmal ist der Baukasten tatsächlich die richtige Wahl. Nur eben deutlich seltener, als die Werbung verspricht. Entscheidend ist, wann ein Homepage-Baukasten wirklich reichen kann — und wann nicht.
Ich baue seit 2009 Websites und habe in der Zeit viele Betriebe gesehen, die mit einem Baukasten angefangen haben. Manche sind damit bis heute glücklich. Die meisten saßen irgendwann vor einem der Probleme, über die in den Wix- und Jimdo-Spots niemand redet. Hier ist die ehrliche Abwägung.
Was ein Baukasten wirklich gut kann
Fangen wir fair an. Wix, Jimdo, Squarespace und Co. haben ihre Berechtigung:
Sie sind schnell. Wer heute anfängt, hat am Wochenende eine Website online. Keine Abstimmung, kein Warten auf einen Dienstleister.
Die Einstiegskosten sind niedrig. 10 bis 40 Euro im Monat, je nach Tarif. Kein vierstelliger Betrag am Anfang.
Man braucht keine Technikkenntnisse. Drag & Drop funktioniert wirklich — für einfache Layouts.
Wenn Sie gerade gegründet haben, noch nicht wissen, ob das Geschäft trägt, und erstmal nur eine digitale Visitenkarte brauchen: Nehmen Sie einen Baukasten. Ohne schlechtes Gewissen. Es wäre unseriös, Ihnen in dieser Phase eine 3.000-Euro-Website zu verkaufen.
Wo es anfängt zu klemmen
Die Probleme kommen nicht am Anfang. Sie kommen nach sechs Monaten, einem Jahr, zwei Jahren — wenn die Website nicht mehr nur existieren, sondern arbeiten soll.
Google-Sichtbarkeit. Der wunde Punkt fast aller Baukasten-Seiten. Technisches SEO ist bei Baukästen nur begrenzt steuerbar: aufgeblähter Code, mittelmäßige Ladezeiten, eingeschränkte Kontrolle über URLs, Weiterleitungen und strukturierte Daten. Man kann mit einem Baukasten ranken — aber man tritt mit angezogener Handbremse an. Wenn Ihre Kunden Sie über Google finden sollen, ist das kein Detail, sondern das Kernproblem.
Ladezeit. Baukasten-Seiten schleppen viel Technik mit, die Sie nicht abschalten können. Auf dem Smartphone mit mittelmäßigem Empfang merkt man das sofort. Langsame Seiten kosten Besucher und Rankings — beides messbar.
Sie mieten, Sie besitzen nichts. Das ist der Punkt, der den meisten erst spät klar wird. Die Website gehört der Plattform. Umziehen? Geht nicht — es gibt keinen Export in ein anderes System, der diesen Namen verdient. Nach fünf Jahren Wix haben Sie über 1.500 Euro gezahlt und besitzen: nichts. Wenn Sie weg wollen, bauen Sie von Null neu.
Design-Grenzen. Die Vorlagen sehen ordentlich aus — und genauso ordentlich wie tausende andere Websites mit derselben Vorlage. Sobald Sie etwas Spezielles wollen, stoßen Sie an Wände. „Das geht bei uns nicht“ ist im Baukasten-Support ein häufiger Satz.
Rechtliches bleibt Ihr Problem. Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner — der Baukasten liefert Werkzeuge, aber ob alles korrekt konfiguriert ist, verantworten Sie. Die Abmahnfälle, die ich gesehen habe, betrafen überproportional oft Selbstbau-Websites. Nicht weil die Technik schlecht wäre, sondern weil niemand draufgeschaut hat, der die Regeln kennt.
Die Rechnung, die kaum jemand macht
Der Baukasten wirkt billig, weil die Kosten tröpfeln statt einmal zu kommen. Rechnen wir nach:
| Baukasten (mittlerer Tarif) | Einmal professionell gebaut | |
|---|---|---|
| Jahr 1 | ~300 € | z. B. 1.500 € + ~100 € Hosting |
| Jahr 2–5 | ~300 €/Jahr | ~100 €/Jahr Hosting |
| Nach 5 Jahren | ~1.500 €, Website gemietet | ~1.900 €, Website gehört Ihnen |
Dazu kommt Ihre eigene Zeit. Die Abende und Wochenenden, die Sie am Baukasten sitzen, statt Ihr Geschäft zu machen, tauchen in keiner Rechnung auf — sind aber real. Ein Handwerker mit einem Stundensatz von 60 Euro, der 30 Stunden an seiner Wix-Seite bastelt, hat 1.800 Euro investiert. Für ein Ergebnis, das ein Profi in besserer Qualität geliefert hätte.
Und noch eine Zahl, die selten fällt: Der Umbau von Baukasten auf eine richtige Website später kostet genauso viel wie ein Neubau — weil es ein Neubau ist. Wer weiß, dass die Website mittelfristig Kunden bringen soll, zahlt beim Umweg über den Baukasten doppelt.
Meine ehrliche Entscheidungshilfe
Nehmen Sie einen Baukasten, wenn:
- Sie gerade erst gründen und das Budget wirklich nicht da ist
- die Website nur Adresse, Öffnungszeiten und Kontakt zeigen soll
- Ihre Kunden ohnehin über Empfehlungen kommen, nicht über Google
- Sie Spaß am Selbermachen haben und Ihre Zeit nicht rechnen
Lassen Sie professionell bauen, wenn:
- Kunden Sie über Google finden sollen
- die Website Anfragen generieren soll, nicht nur existieren
- Sie sich vom Wettbewerb abheben wollen statt wie dessen Vorlage auszusehen
- Sie keine Lust haben, Technik und Rechtsthemen selbst im Blick zu behalten
- Sie langfristig denken: einmal sauber bauen, danach minimale laufende Kosten
Ein Punkt noch, weil er oft untergeht: Es gibt zwischen „Wix für 15 Euro“ und „Agentur für 10.000 Euro“ einen großen Mittelbereich. Ein sauber gebauter Onepager vom Profi kostet ein paar hundert Euro — schnell, rechtssicher, google-tauglich, und er gehört Ihnen. Das ist für viele kleine Betriebe der vernünftigste Einstieg, wird aber selten angeboten, weil sich mit großen Projekten und Wartungsverträgen mehr verdienen lässt.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer Wix- oder Jimdo-Seite bei Google gefunden werden? Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen bei Technik und Ladezeit. Bei lokalen Suchen ohne starke Konkurrenz reicht es oft, bei umkämpften Begriffen wird es schwer.
Kann ich meine Baukasten-Website später mitnehmen? Praktisch nein. Inhalte lassen sich kopieren, aber Design und Struktur nicht exportieren. Ein Wechsel bedeutet Neubau.
Was kostet eine professionelle Alternative zum Baukasten? Ein Onepager vom Profi beginnt bei einigen hundert Euro, eine Unternehmenswebsite bei etwa 1.500 Euro. Details habe ich im Artikel über Website-Kosten 2026 aufgeschlüsselt.
Ist WordPress die bessere Alternative? WordPress ist flexibler als ein Baukasten, braucht aber laufende Pflege und Updates. Für viele kleine Firmenwebsites ist eine statisch gebaute Seite die wartungsärmste und schnellste Lösung.
Ich habe schon eine Baukasten-Seite. Sofort wechseln? Nicht unbedingt. Wenn sie ihren Zweck erfüllt: lassen. Wechseln lohnt sich, wenn Sie mehr Sichtbarkeit brauchen, an Design-Grenzen stoßen oder die Monatsgebühren die Investition in eine eigene Website überholt haben.
Fazit
Der Baukasten ist ein legitimes Werkzeug für den Start — und eine teure Dauerlösung. Die Frage ist nicht „Baukasten oder Agentur“, sondern: Was soll die Website leisten? Wenn die Antwort „Kunden bringen“ lautet, führt an sauberer Technik kein Weg vorbei. Wenn die Antwort „erstmal da sein“ lautet, sparen Sie sich die Agentur — vorerst.
Sie sind unsicher, was für Ihren Fall reicht? Schreiben Sie mir. Im kostenlosen Erstgespräch sage ich Ihnen auch dann ehrlich „bleiben Sie beim Baukasten“, wenn es für mich keinen Auftrag bedeutet.